Beratung vor Ort und Kauf online - Legitim oder unfair?

In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, ob es legitim oder unfair ist sich eine Beratung vor Ort zu holen aber dann doch den Artikel online zu kaufen.

Beratung vor Ort und Kauf im Netz? Eine Gewissensfrage

Mann lässt sich im Elektronikmarkt beraten
Beratung vor Ort - Kauf online? - Foto: © Gorodenkoff

Steht der Kauf kostspieliger Dinge an, ist guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Ein Kühlschrank, ein neuer Fernseher oder auch der moderne Staubsauger mit etlichen Funktionen: Fachberater im Geschäft wissen oft genau, was der Kunde braucht und unterstützen ihn bei der Auswahl. Dass die Waren im Laden vor Ort dann allerdings teurer sind, kann ein Problem darstellen. Manche Kunden nehmen daher Beratung in Anspruch, kaufen das Produkt dann jedoch im Online-Handel. Aber ist das wirklich richtig?
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Gute Gründe für höhere Preise

Um zu verstehen, warum viele Waren im stationären Einzelhandel teurer sind als online, ist ein Blick hinter die Kulissen notwendig. So müssen stationäre Händler nicht nur Raummiete und Energiekosten tragen, sondern auch ihre Mitarbeiter bezahlen. Dass sie häufig über geringere Lagerbestände verfügen, macht höhere Margen beim Verkauf notwendig. Wäre die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis nämlich zu gering, gerät die unternehmerische Existenz ins Schwanken.

Onlinehändler haben diese Probleme nicht. Sie nutzen meist große Lagerflächen, müssen kein oder kaum Beratungspersonal bezahlen und auch Ladenmiete spielt für sie keine Rolle. Da im Online-Handel außerdem sehr viel mehr Produkte verkauft werden können, stellen kleinere Margen kein Risiko dar.

Auch an das eigene Budget denken

Ob die Inanspruchnahme einer Beratung vor Ort und der spätere Kauf des Produktes im Netz wirklich in Ordnung sind, ist aus moralischer Sicht klar. So wäre es dem stationären Handel gegenüber tatsächlich unfair, die Leistung der Mitarbeiter zu nutzen und dann nicht für entsprechenden Umsatz zu sorgen. Das zunehmende Sterben der Einzelhandelsgeschäfte fußt letztlich darauf, dass Onlineshops immer dominanter werden und die Abwanderung von Kundschaft kaum vermeidbar ist.

Doch wer im Fachgeschäft mit hohen Preisen konfrontiert wird, kann nicht nur an das Überleben des Einzelhändlers denken. Auch das persönliche Budget ist ein Punkt, der über das Wohl und Wehe im eigenen Leben entscheidet. Aus Rücksicht hohe Kosten in Kauf zu nehmen, ist daher zwar durchaus edel und fair, kann den Kunden wiederum in finanzielle Bedrängnis bringen. Was also tun?

Verhandeln kann helfen

Da der stationäre Handel um die große Konkurrenz aus dem Internet weiß, ist das Abrücken von eigentlich festen Preisen eine inzwischen übliche Option. Kunden, die sich vor Ort beraten lassen und dann einen Blick auf das Online-Angebot werfen, werden häufig eine deutliche Differenz im Preisbereich entdecken. Hier allerdings muss das Fachgeschäft nicht sofort verlassen werden.

So ist es vollkommen in Ordnung, den Einzelhandelsmitarbeiter auf den günstigeren Online-Preis hinzuweisen und um einen Rabatt zu bitten. Manchmal ist es dann sogar möglich, im Geschäft vor Ort den gleichen Preis wie im Onlineshop angeboten zu bekommen. Und kann der stationäre Händler das nicht bieten, ist Abwägen richtig.

Liegt der Preis vor Ort nur geringfügig oberhalb des Online-Angebotes, ist es für viele Menschen in Ordnung, etwas mehr zu zahlen. Immerhin ging dem Kauf ein Beratungsgespräch voraus, das bei der Kaufentscheidung geholfen hat. Ist es dem Händler jedoch nicht möglich, den Online-Preis auch nur ansatzweise zu erreichen, kann Ehrlichkeit helfen. Viele Einzelhändler zeigen Verständnis für die Entscheidungen ihrer Kunden, auch wenn sie am Schluss des Verkaufsgesprächs leer ausgehen. Immerhin bleibt die Beziehung zum Kunden auch für die Zukunft bestehen und möglicherweise ergibt sich in der nächsten Zeit eine neue Chance.
Text: A. W. / Stand: 11.12.2017

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