Überschuldet - Was tun?

Mann schaut seine Finanzen durch
"Ich bin überschuldet! Was soll ich tun?" - Foto: © kerkezz

Erfahren Sie in diesem Artikel was man tun kann, wenn man überschuldet ist und wo man Hilfe bekommt.

Überschuldet? Was jetzt wichtig ist

Reichen die eigenen finanziellen Mittel nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten und zeitgleich alle Kreditverbindlichkeiten zu bedienen, sprechen Experten von Überschuldung. Einer der ersten Hinweise hierauf: Dauerhaft rote Zahlen auf dem Girokonto. Wer nun in Schockstarre verfällt und abwartet, sorgt meist für eine Verschlimmerung der Situation. Auch bei Überschuldung gilt daher: Lieber zügig handeln als am Schluss ärgern.

Wie kann es zur Überschuldung kommen?

Die Gründe für eine Überschuldung sind vielfältig. Mangelnder Überblick über die eigenen Finanzen, ein zu ausschweifender Lebensstil, Scheidungen, Arbeitslosigkeit oder auch Krankheiten sind denkbare Auslöser. Wer Kreditverbindlichkeiten wie

  • Autokredite
  • Konsumentenkredite (Ratenzahlung)
  • Immobilienkredite
bedienen muss, steht dann nicht selten "mit dem Rücken zur Wand". Das Konto leert sich, bis schließlich nichts mehr übrig ist. Zeitgleich aber laufen die Verbindlichkeiten weiter und das Minus wächst.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei drohender Überschuldung

Wer merkt, dass eine Überschuldung in der nächsten Zeit ein wahrscheinliches Szenario ist, sollte unbedingt sofort handeln. Das Aufschreiben aller Verbindlichkeiten und Fixkosten ist ein erster Schritt um zu sehen, wie viel Geld mindestens benötigt wird. Nicht zu vergessen sind dabei jedoch auch die variablen Kosten, die bei dieser Aufstellung mit einem festen Betrag eingeplant werden sollten.

Droht die Überschuldung, sind Verkäufe von privatem Eigentum oder auch stornierte Urlaube meist nur Tropfen auf den heißen Stein. Die Schuldenspirale dreht sich in den meisten Fällen bereits und kleine Zusatzeinkünfte haben kaum entlastende Wirkung. Was jedoch helfen kann, ist die Aufnahme eines weiteren oder besser bezahlten Jobs (falls möglich), die Suche nach sozialer Unterstützung bei Ämtern oder auch der Umzug in eine günstigere Wohnung. Auch der Verkauf des finanzierten Autos kann sich unter Umständen lohnen, sollte jedoch gründlich bedacht werden. Vor allem wenn ein PKW dringend benötigt wird, kann der Verkauf unangenehme Folgen nach sich ziehen.
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Schuldnerberatung als wichtige Hilfe

Einer Überschuldung aus eigener Kraft zu entkommen, ist für die meisten Menschen überfordernd. Zu gering scheinen die eigenen Möglichkeiten und häufig hat sich bereits eine gewisse Unübersichtlichkeit eingestellt. Der Weg zur Schuldnerberatung ist in diesem Fall der richtige Schritt. Viele soziale Einrichtungen in Gemeinden bieten kostenfreie Schuldnerberatung an, bei der sich Experten mit der finanziellen Situation ihrer Klienten beschäftigen.

Hier wird gemeinsam sortiert und geordnet, was im eigenen Zuhause noch durcheinander lag. Auch das Ausloten von Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung ist Aufgabe eines Schuldnerberaters. Darüber hinaus übernehmen Schuldnerberater auch die Kommunikation mit Gläubigern und versuchen, Konditionen neu zu verhandeln, einen Schuldenerlass zu erwirken oder Kreditraten zu verringern.

Achtung: Der Begriff Schuldnerberatung ist nicht gesetzlich geschützt und es gibt auch keine geregelte Ausbildung oder ähnliches. Die Schuldnerberatungsstelle ist lediglich berechtigt eine Bescheinigung über die Erfolglosigkeit eines außergerichtlichen Einigungsversuch auszustellen.

Letzter Ausweg "Privatinsolvenz"

Ist es auch nach der eingehenden Beratung durch einen Experten nicht möglich, die eigene Überschuldung zu überwinden und verschlechtert sich die Situation zusehends, bleibt vielen Betroffenen nur die Privatinsolvenz als Ausweg. Hier ist der Schuldnerberater erneut ein guter Ansprechpartner, da er sich mit dem Prozedere auskennt.

Das Verfahren zur Privatinsolvenz wird dann beim jeweiligen Amtsgericht beantragt und durchgeführt. Über einen Zeitraum von sechs Jahren muss die betroffene Person zahlreiche Auflagen erfüllen und versuchen, seine bestehenden Verbindlichkeiten so gut wie nur möglich zu tilgen. Die Aufnahme neuer Kredite oder Verbindlichkeiten ist während der Privatinsolvenz streng verboten. Am Schluss des Verfahrens gilt der Betroffene dann als offiziell schuldenfrei.

Die Privatinsolvenz mag im ersten Moment nach einer einfachen und verlockenden Möglichkeit klingen. In Wirklichkeit jedoch sind die sechs Jahre für die meisten Betroffenen äußerst beschwerlich und unangenehm. Es ist daher wichtig, vor dem Schritt in die Privatinsolvenz alles zu versuchen, um diese letzte Maßnahme nicht ergreifen zu müssen.
Text: A. W. / Stand: 11.12.2017

Bitte beachten Sie: Wir geben hier nur allgemeine Hinweise! Bei Fragen zum Thema Überschuldung wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens.

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