Reallöhne im 1. Quartal 2026: Kaufkraft steigt um 1,8 Prozent

Die Löhne in Deutschland sind zu Jahresbeginn erneut stärker gestiegen als die Preise. Im 1. Quartal 2026 lagen die Reallöhne nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 1,8 Prozent über dem Vorjahresquartal. Möglich machte das ein deutliches Plus bei den Bruttoverdiensten von 4,1 Prozent, während die Verbraucherpreise mit 2,2 Prozent vergleichsweise moderat zulegten.

Reallöhne im 1. Quartal 2026 nur leicht gestiegen - Symbolbild Einzelhandel
Die Reallöhne sind nur leicht gestiegen

Nominallohn, Inflation, Reallohn - so entsteht das Plus

Der Reallohn beschreibt, was vom Lohn nach Abzug der Teuerung tatsächlich an Kaufkraft übrig bleibt. Steigen die Bruttoverdienste schneller als die Preise, können sich die Beschäftigten real mehr leisten. Genau das war zu Jahresbeginn der Fall: Den 4,1 Prozent mehr Nominallohn standen 2,2 Prozent höhere Verbraucherpreise gegenüber. Unter dem Strich bleibt ein reales Plus von 1,8 Prozent - das siebte Quartal in Folge mit steigenden Reallöhnen, wenn auch schwächer als in den Aufholquartalen zuvor.

Lohn- und Preisentwicklung im 1. Quartal 2026 (zum Vorjahresquartal)

  • Nominallohn +4,1 %
  • Verbraucherpreise +2,2 %
  • Reallohn +1,8 %

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Reallohnindex 1. Quartal 2026. Balkenlänge skaliert auf den höchsten Wert.

Geringverdiener legen am stärksten zu

Auffällig ist, dass die unteren Lohngruppen deutlich mehr hinzugewonnen haben als die oberen. Bei den Vollzeitbeschäftigten im untersten Fünftel der Verdienstskala stiegen die Löhne um 7,0 Prozent, im obersten Fünftel dagegen nur um 3,5 Prozent. Im Schnitt aller Vollzeitkräfte waren es 4,3 Prozent. Haupttreiber sind die gesetzlichen Anhebungen: Der Mindestlohn stieg zum Jahreswechsel von 12,82 auf 13,90 Euro je Stunde, die Minijob-Grenze von 556 auf 603 Euro im Monat. Entsprechend kräftig fielen die Zuwächse bei geringfügig Beschäftigten (+4,4 Prozent) und Auszubildenden (+6,8 Prozent) aus - bei den Azubis wirkte zusätzlich die höhere Mindestausbildungsvergütung.

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Je nach Wirtschaftszweig fiel das Lohnplus sehr verschieden aus. Überdurchschnittlich legten der Bergbau (+6,9 Prozent), die Finanz- und Versicherungsbranche (+6,5 Prozent) und die Energieversorgung (+5,9 Prozent) zu. Schwächer entwickelten sich die Verdienste in Erziehung und Unterricht (+3,5 Prozent), im Baugewerbe (+2,9 Prozent) und in der öffentlichen Verwaltung samt Sozialversicherung, wo es mit 0,1 Prozent praktisch eine Nullrunde gab - hier schlugen die kräftigen Tariferhöhungen des Vorjahres nicht noch einmal durch.

Was das für den Einzelhandel bedeutet

Für den stationären Handel ist die Entwicklung eine vorsichtig gute Nachricht. Wenn die Kaufkraft real zulegt, wächst grundsätzlich auch der Spielraum für Anschaffungen - gerade bei Geringverdienern, die einen größeren Teil ihres Einkommens direkt wieder ausgeben. Allerdings bleibt das Plus mit 1,8 Prozent klein, und die Stimmung der Verbraucher ist weiter gedrückt. Das aktuelle HDE-Konsumbarometer lag zuletzt auf einem Dreijahrestief, und der Einzelhandelsumsatz im März gab nach. Viele Haushalte legen das zusätzliche Geld also eher zurück, statt es auszugeben. Ob aus der besseren Kaufkraft am Ende mehr Umsatz in den Geschäften wird, hängt vor allem davon ab, ob das Vertrauen in die wirtschaftliche Lage zurückkehrt.

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Nr. 178 vom 28. Mai 2026

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Tjark Knittel
Tjark Knittel

Tjark ist Webmaster von Offline-einkaufen.com und verantwortet Technik und Marketing der Webseite. Er schreibt über allgemeine Verbraucherthemen und Nachrichten aus dem deutschen Einzelhandel.

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