Nach der Schließungswelle: Galeria-Häuser finden neue Mieter

Rund eineinhalb Jahre nach der großen Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof zeichnet sich ab: Viele der verwaisten Kaufhäuser finden endlich neue Mieter. In Halle, Berlin und Heidelberg laufen Umbauten oder sind bereits abgeschlossen. Gleichzeitig gerät der verbliebene Galeria-Konzern selbst wieder in Turbulenzen – weitere Schließungen scheinen möglich.

Woolworth eröffnet in ehemaliger Galeria-Filiale in Berlin

Den Auftakt machte Woolworth: Am 19. Februar 2026 eröffnete die Kette im Ring-Center 3 im Berliner Bezirk Lichtenberg eine Filiale auf den Flächen der früheren Galeria. Das berichtete unter anderem der Tagesspiegel. In dem Gebäude entstehen zudem ein Rewe-Markt und ein Fitnesscenter. Am Tempelhofer Damm sichert sich Woolworth zusätzlich Flächen im ehemaligen Karstadt-Haus, wo auch Lidl einziehen soll – das meldete die Textilwirtschaft Mitte März 2026.

Intersport eröffnet ersten Superstore deutschlandweit in Halle

Einen Monat später folgte der nächste große Nachmieter: Am 26. März 2026 öffnete im ehemaligen Kaufhof-Gebäude am Marktplatz in Halle (Saale) der deutschlandweit erste „Superstore“ von Intersport. Auf zwei Etagen und rund 2.300 Quadratmetern präsentiert der Sportfachhändler dort ein neues Ladenkonzept. Die Stadt Halle hatte den Termin bereits im Dezember 2025 auf ihrer offiziellen Webseite halle.de mitgeteilt. Laut einem Bericht der Immobilien Zeitung ziehen in das Gebäude noch zwei weitere Mieter ein – darunter Penny im Untergeschoss auf rund 1.200 Quadratmetern. Die Supermarktfiliale soll im dritten Quartal 2026 öffnen.

Heidelberg und Hannover setzen auf Mixed-Use

In Heidelberg übernahm der Unternehmer Daniel Hopp Mitte April 2026 das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Bismarckplatz. Geplant ist laut einer Mitteilung der Stadt Heidelberg eine Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und öffentlicher Nutzung auf rund 12.500 Quadratmetern Fläche. In Hannover gewann das Schweizer Büro Herzog & de Meuron den Architekturwettbewerb für das frühere Kaufhof-Haus. Eigentümer Oliver Blume plant den Umbau zu einer Mixed-Use-Immobilie bis 2027. Dieser Trend zeigt sich in vielen Städten: Statt eines einzigen großen Warenhauses ziehen mehrere kleinere Mieter ein, oft ergänzt durch Gastronomie, Dienstleistungen oder kulturelle Nutzungen wie Bibliotheken.

Galeria selbst wieder in der Krise

Parallel dazu spitzt sich die Lage bei den verbliebenen Galeria-Kaufhäusern erneut zu. Wie die Fachzeitschrift Lebensmittelpraxis am 10. März 2026 berichtete, verhandelt die Warenhauskette über die Mietkonditionen an acht von insgesamt 83 Standorten – darunter München am Rotkreuzplatz, Berlin am Kurfürstendamm und am Hermannplatz, Köln, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Kommt keine Einigung zustande, drohen weitere Schließungen. Vor wenigen Tagen meldeten t-online und die Lebensmittelzeitung zudem, dass Galeria die April-Miete an mehreren Standorten nicht pünktlich überwiesen und um Stundung gebeten hat. Am Berliner Alexanderplatz sucht der Eigentümer Commerz Real eigenen Angaben zufolge bereits nach einem alternativen Mieter.

Was Kunden jetzt erwartet

Für Verbraucher bedeutet diese Entwicklung: Wo bislang Leerstand das Stadtbild prägte, kehrt vielerorts wieder Leben ein – allerdings oft mit anderen Konzepten als früher. Klassische Kaufhäuser werden seltener, dafür setzen die neuen Mieter stärker auf Fachhandel, Nahversorgung und gemischte Nutzung. Gleichzeitig könnte schon die nächste Runde an Kaufhaus-Nachfolgern anstehen – sollten die aktuellen Mietverhandlungen bei Galeria scheitern.