Leere Ladenlokale, weniger Laufkundschaft, steigende Kosten und veränderte Einkaufsgewohnheiten – viele Innenstädte in Deutschland stehen seit Jahren unter Druck. Während große Onlineplattformen weiter wachsen und sich das Konsumverhalten vieler Menschen verändert, kämpfen zahlreiche Einkaufsstraßen, lokale Geschäfte und Stadtzentren um ihre Attraktivität. Doch gleichzeitig bieten Innenstädte nach wie vor große Chancen: als Einkaufsorte, Treffpunkte, Erlebnisräume und wichtige Zentren des öffentlichen Lebens.
Der Handelsverband Deutschland und der Deutsche Städtetag haben deshalb gemeinsame Vorschläge vorgestellt, mit denen Innenstädte in Deutschland wieder gestärkt werden sollen. In einem gemeinsamen Plan nennen sie fünf Maßnahmen, die Kommunen, Händler, Eigentümer und Stadtgesellschaft zusammenbringen sollen. Ziel ist es, Innenstädte nicht nur als reine Einkaufsorte zu erhalten, sondern sie langfristig lebendiger, vielfältiger und wirtschaftlich stabiler zu machen. Die Pressemitteilung dazu wurde am 22. April 2026 veröffentlicht.
Innenstädte im Wandel: Warum Handlungsbedarf besteht
Wer regelmäßig in deutschen Innenstädten unterwegs ist, kennt das Problem: Wo früher kleine Fachgeschäfte, Kaufhäuser oder Cafés zu finden waren, stehen heute mancherorts Läden leer. Für Verbraucher ist das nicht nur ein optisches Problem. Leerstände machen Einkaufsstraßen weniger attraktiv, verringern die Auswahl vor Ort und können dazu führen, dass noch weniger Menschen in die Innenstadt kommen.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Onlinehandel hat das Einkaufsverhalten vieler Kunden verändert. Gleichzeitig belasten hohe Mieten, steigende Betriebskosten und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen zahlreiche stationäre Händler. Hinzu kommt, dass Innenstädte heute mehr bieten müssen als reine Einkaufsmöglichkeiten. Kunden wünschen sich eine gute Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität, Gastronomie, Veranstaltungen, Dienstleistungen und eine angenehme Atmosphäre.
Genau hier setzen die Vorschläge von Handelsverband und Städtetag an. Sie sehen im Wandel der Innenstädte nicht nur eine Krise, sondern auch eine Möglichkeit, neue Konzepte zu entwickeln. Neben dem klassischen Einzelhandel sollen auch Nutzungsmischung, Innovation und gesellschaftliches Engagement eine stärkere Rolle spielen.
Mehr Geld für Kommunen und attraktive Stadtzentren
Ein zentraler Punkt ist die finanzielle Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden. Attraktive Innenstädte entstehen nicht von allein. Öffentliche Plätze, Fußgängerzonen, Beleuchtung, Begrünung, Sitzmöglichkeiten, Sauberkeit und Sicherheit kosten Geld. Wenn Kommunen hier nicht investieren können, verlieren Innenstädte schnell an Aufenthaltsqualität.
Nach Ansicht von Handelsverband und Städtetag brauchen Städte daher wieder größere finanzielle Spielräume. Bestehende Förderprogramme allein reichen aus ihrer Sicht nicht aus, wenn die Kommunen nicht in der Lage sind, notwendige Projekte vor Ort umzusetzen. Gefordert wird deshalb unter anderem eine Neuordnung der Kommunalfinanzen.
Für Verbraucher wäre eine solche Stärkung unmittelbar spürbar. Denn eine gepflegte, gut erreichbare und attraktive Innenstadt macht den Einkaufsbummel angenehmer. Wer sich gerne in der City aufhält, besucht eher lokale Geschäfte, Cafés, Wochenmärkte oder Veranstaltungen.
Leerstände besser nutzen und neue Geschäfte ermöglichen
Ein weiterer Vorschlag betrifft leerstehende Ladenlokale. Diese sollen nach den Vorstellungen der beiden Organisationen gezielter für neue Handelsgründungen genutzt werden. Besonders für junge Unternehmer, kleinere Konzepte oder inhabergeführte Geschäfte sind Innenstadtlagen häufig schwer bezahlbar. Gleichzeitig können gerade neue Ideen dazu beitragen, Einkaufsstraßen wieder interessanter zu machen.
Denkbar sind zum Beispiel Pop-up-Stores, regionale Anbieter, Manufakturen, nachhaltige Ladenkonzepte, Showrooms oder Geschäfte, die Handel mit Beratung, Service und Erlebnis verbinden. Damit solche Konzepte eine Chance haben, braucht es jedoch nicht nur gute Ideen, sondern auch die Mitwirkung von Immobilieneigentümern und passende wirtschaftliche Unterstützung.
Für Kunden könnte das langfristig mehr Vielfalt bedeuten. Statt austauschbarer Einkaufsstraßen mit immer gleichen Filialisten könnten Innenstädte wieder stärker durch individuelle Geschäfte und regionale Angebote geprägt werden.
Einfachere Regeln für Umnutzung und neue Konzepte
Innenstädte verändern sich. Deshalb müssen sich auch Gebäude und Flächen verändern können. Nicht jedes ehemalige Ladenlokal wird wieder dauerhaft als klassisches Geschäft genutzt werden. Manche Flächen eignen sich besser für Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen, Co-Working, Freizeitangebote oder zeitlich begrenzte Zwischennutzungen.
Handelsverband und Städtetag sprechen sich deshalb dafür aus, rechtliche Rahmenbedingungen zu modernisieren und mehr Planungssicherheit zu schaffen. Die bisherigen Änderungen im Baugesetzbuch gingen aus ihrer Sicht zwar in die richtige Richtung, reichten aber noch nicht aus. Nötig seien weitere Erleichterungen für Umnutzungen, Zwischennutzungen und eine stärkere Mischung verschiedener Angebote.
Gerade diese Mischung kann für Verbraucher interessant sein. Eine Innenstadt, in der man einkaufen, essen gehen, Dienstleistungen nutzen, Veranstaltungen besuchen und sich einfach gerne aufhalten kann, hat deutlich bessere Chancen, dauerhaft belebt zu bleiben.
Menschen vor Ort stärker einbinden
Innenstädte leben nicht nur von Geschäften, Gebäuden und Förderprogrammen. Entscheidend sind auch die Menschen vor Ort: Händler, Gastronomen, Eigentümer, Vereine, Kulturschaffende, Kunden und Anwohner. Sie alle prägen, wie lebendig eine Innenstadt ist.
Deshalb schlagen HDE und Deutscher Städtetag vor, die Stadtgesellschaft stärker zu aktivieren. Engagement vor Ort soll besser unterstützt werden, etwa durch eine bundesweite Mitmachinitiative. Ziel wäre es, erfolgreiche Projekte sichtbarer zu machen und mehr Menschen dafür zu gewinnen, sich für ihre Innenstadt einzusetzen.
Das kann ganz praktisch aussehen: Stadtfeste, lange Einkaufsnächte, Wochenmärkte, kulturelle Aktionen, Begrünungsprojekte, lokale Rabattaktionen oder gemeinsame Veranstaltungen von Händlern und Gastronomie können dazu beitragen, dass Menschen ihre Innenstadt wieder stärker als Treffpunkt wahrnehmen.
Private Investitionen für Innenstädte erleichtern
Neben öffentlichen Investitionen spielen auch private Mittel eine wichtige Rolle. Eigentümer, Händler, Investoren und lokale Initiativen können viel bewegen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der gemeinsame Plan sieht deshalb vor, private Investitionen zu stärken und öffentlich-private Partnerschaften weiterzuentwickeln.
Genannt werden unter anderem sogenannte Business Improvement Districts, kurz BIDs. Dabei handelt es sich um Zusammenschlüsse von Eigentümern und Gewerbetreibenden, die gemeinsam Maßnahmen für ein bestimmtes Stadtquartier finanzieren und umsetzen. Dazu können zum Beispiel bessere Beleuchtung, Reinigung, Marketingaktionen oder bauliche Verbesserungen gehören. Nach den Vorschlägen sollen solche Modelle flexibler und einfacher nutzbar werden.
Was Verbraucher tun können
Auch Kunden haben Einfluss darauf, wie sich Innenstädte entwickeln. Wer regelmäßig vor Ort einkauft, unterstützt nicht nur einzelne Händler, sondern auch die Attraktivität der gesamten Innenstadt. Denn jeder Einkauf im stationären Handel trägt dazu bei, Arbeitsplätze zu sichern, Ladenlokale zu erhalten und die Angebotsvielfalt vor Ort zu stärken.
Natürlich wird der Onlinehandel für viele Menschen weiterhin praktisch bleiben. Doch gerade bei Produkten, bei denen Beratung, Anprobieren, Ausprobieren oder sofortige Mitnahme wichtig sind, bietet der stationäre Einzelhandel klare Vorteile. Hinzu kommt: Ein Einkaufsbummel durch die Innenstadt ist oft mehr als nur der Kauf eines Produkts. Er verbindet Erledigungen mit Begegnungen, Gastronomie, Freizeit und regionalem Leben.
Lebendige Innenstädte brauchen gemeinsame Anstrengungen
Die Vorschläge von Handelsverband Deutschland und Deutschem Städtetag zeigen deutlich: Die Zukunft der Innenstädte hängt von vielen Faktoren ab. Kommunen brauchen ausreichend finanzielle Mittel, Eigentümer müssen Leerstände aktiv angehen, Händler benötigen gute Rahmenbedingungen und Bürger sollten stärker einbezogen werden.
Für Verbraucher geht es dabei nicht nur um die Frage, wo sie einkaufen. Es geht auch darum, wie lebenswert Städte bleiben. Attraktive Einkaufsstraßen, vielfältige Geschäfte, gute Aufenthaltsqualität und lebendige Stadtzentren entstehen nicht von allein. Sie sind das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen – von Politik, Handel, Immobilienwirtschaft und den Menschen, die ihre Innenstadt nutzen.
Wer auch in Zukunft eine lebendige Innenstadt mit Cafés, Fachgeschäften, Märkten, Kaufhäusern und kleinen Läden erleben möchte, kann selbst einen Beitrag leisten: öfter bewusst vor Ort einkaufen, lokale Angebote nutzen und Veranstaltungen in der eigenen Stadt besuchen. Zum Beispiel, wenn wieder ein verkaufsoffener Sonntag ist.
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