Der deutsche Einzelhandel schrumpft weiter. Laut einer aktuellen Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) gehen im laufenden Jahr 2026 4.900 Geschäfte verloren – Neueröffnungen sind dabei bereits gegengerechnet. Im Vorjahr lag das Minus noch bei 4.500 Läden.
Die Zahlen gab HDE-Präsident Alexander von Preen am 23. März 2026 im Vorfeld des Handelsimmobilienkongresses in Berlin bekannt. Bis zum Jahresende sinkt die Zahl der Geschäfte damit voraussichtlich auf 296 600. Vor zehn Jahren waren es deutschlandweit noch 366 800.
Aktuellste Beispiele für Geschäfte, die 2026 schließen:
- Möbel Hübner in Berlin
- Flamme Möbel (alle 6 Filialen in Deutschland)
- Kik (mehr als 100 Filialen in Deutschland)
- Roller (bisher sind min. 5 Filial-Schließungen in Deutschland bekannt)
Seit zehn Jahren geht es bergab
Seit einem Jahrzehnt verliert Deutschland jährlich mindestens 4.500 Geschäfte oder mehr. Besonders drastisch waren die Corona-Jahre zwischen 2020 und 2023, als der Wert zeitweise auf über 11.000 stieg. Wer regelmäßig in deutschen Innenstädten unterwegs ist, sieht die Folgen längst: leere Schaufenster, verwaiste Ladenflächen und ein Stadtbild, das an Lebendigkeit verliert.
Von Preen warnt davor, sich an diesen Schwund zu gewöhnen. Viele Stadtzentren steuerten bereits auf Kipppunkte zu, ab denen die Abwärtsspirale kaum noch aufzuhalten sei.
Was der HDE von der Politik fordert
Besonders mittelständische Händler stecken in einer schwierigen Lage. Schwache Kauflaune, hohe Energiekosten und steigende Personalausgaben belasten die Betriebe. Der Verband richtet konkrete Forderungen an die Politik: Die Stromsteuer müsse für alle gesenkt, die Lohnnebenkosten bei 40 Prozent gedeckelt werden. Auch die Vermieter nimmt der HDE in die Pflicht – umsatzorientierte Mieten sollten stärker zum Standard werden, denn Leerstand nütze niemandem.
Darüber hinaus drängt der HDE das Bundesbauministerium und die Kommunen zu mehr Engagement. Einkaufen sei nach wie vor der Hauptgrund, warum Menschen in die Innenstadt kommen. Wer lebendige Stadtzentren wolle, brauche Geschäfte. Für private Investitionen in ein attraktiveres Umfeld wirbt der Verband für bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten. Öffentliche Mittel allein reichten nicht, um alle Städte wieder auf Vordermann zu bringen.
Was das für Verbraucher bedeutet
Für Kunden, die gerne vor Ort einkaufen, sind die Zahlen ein Warnsignal. Weniger Geschäfte bedeuten weniger Auswahl, längere Wege und eine geringere Beratungsqualität – gerade bei Produkten wie Möbeln oder Elektronik, bei denen man sich im Laden beraten lassen möchte. Lesen Sie auch: Beratung vor Ort und Kauf online – legitim oder unfair?
Ob und wie sich der Trend aufhalten lässt, hängt nicht nur von der Politik ab – sondern auch davon, ob es dem Handel gelingt, mit neuen Konzepten und mehr Erlebnisqualität Kunden zurück in die Innenstädte zu holen.
Quelle: Pressemitteilung des Handelsverband Deutschland vom 23.03.2026
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