Ob bar, mit Karte oder per Smartphone – wer im stationären Einzelhandel einkauft, kann an der Kasse heute fast überall selbst entscheiden, wie er bezahlt. Eine gesetzliche Pflicht zur Annahme bestimmter Zahlungsmittel hält der Handelsverband Deutschland (HDE) dennoch für den falschen Weg.

Kunden wollen die Wahl – und bekommen sie

„Der Handel kommt mit seinem Angebot an akzeptierten Zahlungsmitteln dem Wunsch der Verbraucher nach“, erklärte HDE-Zahlungsexperte Ulrich Binnebößel Anfang April 2026. Manche Kunden greifen weiterhin zum Bargeld, andere bevorzugen die Karte oder bezahlen per Smartphone und Smartwatch.

Die Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI bestätigen diesen Trend: 2024 wurden zwar noch 54,6 Prozent aller Transaktionen im stationären Handel bar abgewickelt – gemessen am Umsatz lag der Bargeldanteil aber nur noch bei rund 33,8 Prozent. Bargeld bleibt also bei kleineren Einkäufen verbreitet, verliert insgesamt aber weiter an Boden gegenüber dem Bargeldlosen Bezahlen.

Warum der HDE gegen eine gesetzliche Akzeptanzpflicht ist

Der Verband sieht sowohl eine Pflicht zur Bargeldannahme als auch eine verpflichtende Kartenakzeptanz kritisch. Die Begründung: Der Einzelhandel biete bereits heute nahezu flächendeckend beide Optionen an. Gesetzliche Vorgaben würden dort zusätzliche Bürokratie schaffen, wo es gar kein echtes Problem gebe.

Binnebößel wies auf praktische Schwierigkeiten hin, die ein Gesetz berücksichtigen müsste. Bei einer Bargeldpflicht bräuchte es Ausnahmen für Automaten, Standorte mit Sicherheitsbedenken und Kassen, an denen die Bargeldannahme wirtschaftlich keinen Sinn ergibt. Bei einer Kartenpflicht müsste klar geregelt sein, welche Zahlungsarten genau gemeint sind – und was bei technischen Ausfällen passiert.

Steigende Kosten für die Bargeldlogistik

Ein wachsendes Problem für den Handel sind die Kosten rund ums Bargeld. Tresore, Kassensysteme, Sicherheitsmaßnahmen und der Transport von Münzen und Scheinen verursachen Fixkosten, die sich auf immer weniger Barzahlungen verteilen. Pro Vorgang wird es also spürbar teurer. Verschärft wird die Lage dadurch, dass viele Banken ihre Leistungen für Gewerbekunden bei der Bargeldversorgung eingeschränkt oder ganz eingestellt haben. Das betrifft sowohl die Versorgung mit Wechselgeld als auch die Einzahlung von Tageseinnahmen.

Was der HDE stattdessen fordert

Statt einer Akzeptanzpflicht wünscht sich der Verband verlässliche Rahmenbedingungen für eine funktionierende Bargeldinfrastruktur. Konkret gehören dazu eine gesicherte Wechselgeldversorgung für Händler und bezahlbare Lösungen zur Bargeldeinzahlung. „Nur so kann Bargeld dort erhalten bleiben, wo es von Verbrauchern nach wie vor gebraucht wird, ohne Handel und Unternehmen unverhältnismäßig zu belasten“, so Binnebößel.
Für Kunden dürfte sich an der Kasse vorerst wenig ändern: Die Wahlfreiheit beim Bezahlen – ob bar, per Kreditkarte oder mit dem Handy – ist im deutschen Einzelhandel längst gelebter Alltag.

Quelle: Pressemitteilung des Handelsverband Deutschland vom 08.04.2026