Kleine Einzelhändler in der Krise - Hilft ein Onlineshop auch Kleinhändlern?

Die aktuell angespannte Wirtschaftslage stellt den Einzelhandel vor erhebliche Herausforderungen. Denn angetrieben durch die anhaltend hohe Inflationsrate steigen die Preise in vielen Branchen schneller als die Löhne. Das reduziert die Kaufkraft der Verbraucher und führt zu einer wachsenden Kaufunlust. Zu spüren bekommen das vor allem kleine stationäre Händler, die ohnehin schon unter der in vielen deutschen Innenstädten angespannten Lage leiden.

Doch jede Krise bietet bekanntlich auch Chancen. Eine vielversprechende Chance ist nach wie vor der Onlinehandel. Ob eigener Onlineshop, Nutzung von Verkaufsplattformen oder Aufbau einer Social Media-Präsenz - das Internet eröffnet Einzelhändlern viele Möglichkeiten, neue Kunden zu erreichen, den Umsatz zu steigern und so der Krise zu trotzen. In diesem Artikel gehen wir näher auf die Optionen ein, mit denen kleine Händler vom Onlinehandel profitieren können, beleuchten ihre besonderen Herausforderungen und werfen einen Blick auf ihre Vor- und Nachteile.

Einzelhandel in der Krise
Der stationäre Einzelhandel hat es zur Zeit schwer! Hilft ein Onlineshop? - Foto: © Stanisic Vladimir - stock.adobe.com

Online-Handel: Vielfältige Möglichkeiten für kleine Einzelhändler

Während dem Einzelhandel laut einer Prognose des Handelsverband Deutschland (HDE) 2023 der größte Umsatzrückgang seit der Finanzkrise im Jahr 2009 droht, boomt der E-Commerce weiter und wird in diesem Jahr voraussichtlich einen neuen Umsatzrekord aufstellen. Immer mehr Kunden lassen sich vor Ort beraten und kaufen dann doch im Onlineshop! Von diesem Trend zum Online-Shopping können nicht nur große Ladenketten und finanzstarke Unternehmen, sondern auch kleine stationäre Einzelhändler profitieren. Dazu bieten sich verschiedene Möglichkeiten an.

Eigenen Onlineshop erstellen

Ein Onlineshop bietet Händlern die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen parallel zum Ladengeschäft über das Internet anzubieten- und das unabhängig von den üblichen Ladenöffnungszeiten. Online-Baukästen erleichtern dabei den Einstieg in die E-Commerce-Welt. Sie lassen sich intuitiv bedienen, kosten nicht viel Geld und setzen kaum Design- oder Programmierkenntnisse voraus.
Zum Beispiel mit Shopify können Sie selber einen Online-Shop erstellen.

Bei größeren Onlineshops ist eine Agentur sinnvoll

Allerdings sind die Möglichkeiten derartiger Shopsysteme begrenzt, weshalb sie sich in erster Linie für die ersten Gehversuche mit einem Onlineshop oder ein kleines Produktsortiment eignen. Händler, die sich durch ein individuelles Design abheben, überregional Kunden erreichen oder sehr viele Produkte anbieten möchten, kommen kaum um technisches Know-how, SEO- und Marketingwissen herum. Einiges davon lässt sich - Zeit und Muße vorausgesetzt - aneignen. In vielen Fällen macht es jedoch mehr Sinn, eine Agentur zu beauftragen. Sie besitzt das technische Wissen, um einen Onlineshop aufzubauen, ihn an eine Warenwirtschaft anzubinden und ihn so zu optimieren, dass er über Suchmaschinen wie Google gefunden wird.

Die Kosten für das Erstellen eines Onlineshops durch eine Agentur variieren. Meist starten sie jedoch bei etwa 5.000 Euro. Hinzu kommen ggf. monatliche Kosten für das Hosting, die Bewerbung über Google Ads oder SEO-Maßnahmen sowie - je nach Vereinbarung - prozentuale Provisionen für erfolgreiche Verkäufe.

Vor- und Nachteile von einem eigenen Onlineshop:

Vorteile:

Nachteile:

Onlineshop für kleine Einzelhändler
Kann ein Onlineshop einem kleinen Einzelhändler aus der Krise helfen? - Foto: © mrmohock - stock.adobe. com

Etablierte Verkaufsplattformen nutzen

Alternativ oder auch ergänzend zum eigenen Onlineshop bietet sich für kleine Händler der Verkauf über etablierte Plattformen wie Amazon oder eBay an. Der Vorteil: Es braucht weder eine eigene Domain noch einen Webserver. Auch Design- oder Programmierkenntnisse sind höchstens bei der individuellen Gestaltung der Produktlistings nötig, es geht allerdings auch ohne. Zudem bieten die Plattformen bereits eine große Reichweite, sodass Händler nicht erst viel Geld in SEO und Marketing investiert müssen, sondern direkt potenzielle Kunden erreichen können.

Komplettes Auslagern von Lager und Versand möglich

Das Listing von Produkten ist bei Amazon, eBay & Co. mit vergleichsweise geringem Aufwand verbunden. Lediglich individuelle Produktfotos und Beschreibungen müssen Händler zur Hand haben, um ihre Produkte anbieten zu können. Bei Amazon besteht sogar die Möglichkeit, den Versand der Produkte mittels FBA ("Fulfillment by Amazon") auszulagern. Das ist besonders für kleine Ein-Mann-Unternehmen interessant, die neben ihrem Ladengeschäft nicht auch noch den Versand von Online-Bestellungen abwickeln können. In diesem Fall übernimmt Amazon die gesamte Arbeit von der Zahlungsabwicklung über den Versand bis zur Retourenabwicklung.

Für das Bereitstellen der Verkaufsplattform berechnen Amazon & Co. Gebühren und Verkaufsprovisionen. eBay verlangt beispielsweise für seine eBay Shops je nach Größe zwischen 40 Euro und 5.000 Euro monatliche Grundgebühr. Hinzu kommen Gebühren für jeden Verkauf. Bei Amazon ist es ähnlich: Der Online-Händler erhebt pro Verkauf eine prozentuale Gebühr und berechnet je nach genutzten Diensten (z. B. Amazon FBA) zusätzliche Gebühren für Abwicklung und Versand.

Vor- und Nachteile vom Verkauf über Amazon & Co:

Vorteile:

Nachteile:

Social-Media-Präsenz aufbauen und Social Commerce nutzen

Eine noch recht junge Form des E-Commerce ist der Social Commerce. Dabei handelt es sich um eine Verschmelzung von Social Media und E-Commerce. Social Commerce ermöglicht es Händlern nicht nur direkt mit ihrer Zielgruppe in Kontakt zu treten, sondern ihr auch Produkte und Dienstleistungen zum Kauf anzubieten. Ein Onlineshop ist dazu meist nicht notwendig. Sowohl Facebook als auch Instagram oder TikTok bieten Funktionen an, um Produkte direkt über einen Check-out zu verkaufen. Kosten fallen je nach Plattform pro Transaktion und/oder Werbeeinblendung an.

Verkaufserfolg hängt von visueller Präsentation ab

Social Commerce lässt sich zwar theoretisch für jedes Produkt und jede Dienstleistung nutzen. Der tatsächliche Verkaufserfolg hängt jedoch davon ab, ob das Produkt zur Zielgruppe des jeweiligen Netzwerks passt und sich visuell (in Form von Bildern oder Videos) ansprechend darstellen lässt. Facebook hat beispielsweise eine ältere Zielgruppe und eignet sich daher gut für Reisen und Dienstleistungen.

Auf Instagram sind eher junge Menschen unterwegs, die sehr auf Ästhetik bedacht sind. Hier lassen sich Kleidung, Schmuck und Schönheitsprodukte sowie Produkte rund um Essen und Genießen verkaufen. TikTok hat die jüngste Zielgruppe von allen sozialen Netzwerken und eignet sich daher in erster Linie zum viralen Bewerben von Produkten und Dienstleistungen. Passende Inhalte zu kreieren kann ohne Know-how und Equipment eine große Herausforderung sein. Für viele Händler dürfte es sich daher lohnen, eine Social-Media-Agentur mit dem Aufbau der Präsenz, dem Posten von Inhalten und Produkten zu beauftragen.

Vor- und Nachteile von Social Commerce:

Vorteile:

Nachteile:

Wichtig: Vor dem Verkaufen anwaltlichen Rat einholen

Vor dem Aufbau eines Online-Vetriebskanals sollten sich stationäre Händler unbedingt von einem fachkundigen Anwalt beraten lassen. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen beim Verkauf über das Internet unterscheiden sich zum Teil erheblich von den aus dem Offline-Handel bekannten Regeln.

Angefangen beim Thema Datenschutz über die Impressums-Pflicht bis hin zum Umtauschrecht bzw. Widerrufsrecht, das Online-Käufern zusteht, gibt es zahlreiche Fallstricke, die bei Nichtbeachtung oder falscher Umsetzung schnell zu kostspieligen Abmahnungen führen können. Ein auf E-Commerce spezialisierter Anwalt kann hier für Sicherheit sorgen, indem er auf alle für den jeweiligen Verkaufskanal wichtigen Punkte hinweist und beispielsweise rechtssichere AGBs oder Datenschutzerklärungen erstellt.

Die Kosten für eine anwaltliche Beratung inklusive dem Erstellen von Rechtstexten liegen meist zwischen 500 und 1.000 Euro. Einige Anwälte bieten darüber hinaus gegen eine monatliche Gebühr eine dauerhafte Betreuung an. Dies kann durchaus sinnvoll sein, da sich rechtliche Rahmenbedingungen im Online-Handel häufig ändern und durch Urteile neu ausgelegt werden.

Fazit: Online-Handel bietet Händlern einen Weg aus der Krise

Ob Onlineshop, Verkauf über Amazon oder Social Commerce: Die Online-Welt bietet stationären Händlern in der Krise eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich einen weiteren Vertriebskanal aufzubauen, ihre Umsätze nachhaltig zu steigern und gestärkt aus dieser hervorzugehen. Dabei ist es jedoch wichtig, die rechtlichen Aspekte im Blick zu behalten und sich ggf. zur Sicherheit von einem Anwalt beraten zu lassen.
Lesen Sie auch: Corporate Identity - Branding für kleine stationäre Geschäfte

Weiterführende Informationen und Quellen:

Oliver K.

Technik-affiner Familienvater aus Nordrhein-Westfalen. Schreibt für uns Ratgeber rund um Smartphones im Einkauf, Bezahlmethoden im stationären Handel und die Schnittstelle zwischen Online- und Offline-Shopping.