Sonntagsshopping? Gewerkschaften und Kirchen verlangen Sonntagsruhe

Verkaufsoffener Sonntag spaltet die Geister

Frauen kaufen Sonntags ein

11.09.2016
Seit November 2006 dürfen die Bundesländer an Werktagen rund um die Uhr öffnen. Zudem sind pro Jahr bis zu 10 verkaufsoffene Sonntage erlaubt, ( z.B. in Berlin ). Bei Experten stößt der verkaufsoffene Sonntag auf unterschiedliche Bewertungen: Für die Einen ist der Einkauf am Sonntag ein Segen, für die Anderen ein Fluch.

Befürworter sehen Belebung des Einzelhandels und Kundenvorteile

Zahlreiche Kommunen sowie die Einzelhandelsbranche begrüßen überwiegend die Ladenöffnung an Sonntagen. Befürworter sehen darin einen wichtigen Wirtschaftsfaktor, der im Vergleich zu normalen
Werktagen in Abhängigkeit von Jahreszeit sowie Angebotslage zu einem drei- bis fünfmal so hohen Absatz führt. Darüber hinaus sei der verkaufsoffene Sonntag für die Bürger eine willkommene Abwechslung und eine sinnvolle Alternative für diejenigen, die für ihre Einkäufe auf arbeitsfreie Tage ausweichen möchten. Die zum Teil langen Schlangen an den Kassen zeigen, dass das Angebot auch angenommen wird. Schließlich sei es für die Menschen in großen deutschen Städten schon längst üblich, in Nachttankstellen, Kiosken und Bahnhöfen einzukaufen. Gerade die große Akzeptanz der Bürger habe dazu geführt, dass die Zahl der Sonntage, an denen die Geschäfte geöffnet waren, in den vergangenen 20 Jahren um 70 Prozent gestiegen ist.

Gewerkschaften und Kirchen verlangen Sonntagsruhe und würdige Arbeitsbedingungen

Heftig kritisiert werden die Ladenöffnungen an Sonntagen von Seiten der Gewerkschaften und Kirchen. Deren Ansicht nach handle es sich beim arbeitsfreien Sonntag um ein wichtiges gesellschaftliches Gut mit hohem Erholungsfaktor, dass es schützen gilt. Viele Beschäftigte müssten an verkaufsoffenen Sonntagen Überstunden machen, ohne teilweise zusätzlich dafür bezahlt zu werden. Demzufolge sehen sich die Arbeitnehmer schlechteren Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Darüber hinaus verweisen die Gewerkschaften auf die Zunahme prekärer Beschäftigungen. Bereits heute müssten immer mehr Beschäftigte aufstockende Sozialleistungen am Monatsende beantragen. Inzwischen sind viele Hartz-IV-Aufstocker im Einzelhandel beschäftigt. Auch wird auf das Grundgesetz verwiesen, wonach die Sonntagsruhe in Artikel 140 festgeschrieben ist. Zuletzt konnte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi diverse verkaufsoffene Sonntage erfolgreich stoppen. Bereits in 2013 konnten die Arbeitnehmervertreter vor dem Bundesverwaltungsgericht einen Teilerfolg bei der Zulässigkeit von Ladenöffnungen an Sonntagen erreichen. Seither ist deutlich geregelt, unter welchen Voraussetzungen eine Sonntagsöffnung von Ladengeschäften des Einzelhandels zulässig ist. Hiervon sollen nach Aussagen von Gewerkschaftsvertretern die rund drei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel profitieren. (Foto oben: © Kalim)

Verkaufsoffene Sonntage in Deutschland
Verkaufsoffener Sonntag in NRW
Verkaufsoffene Sonntage in Hessen