Dominosteinen, Spekulazius im August – Vorfreude oder Nötigung

Weihnachtssüßigkeiten jetzt im Supermarkt!

08.09.2016
Alle Jahre wieder bietet der Lebensmitteleinzelhandel ab September Lebkuchen an.

Ganz Deutschland freut sich über den späten Einzug des Sommers, Freibäder vermelden endlich hohe Besucherzahlen und vor dem italienischen Eiscafé bilden sich Schlangen wie sonst nur im Hochsommer. 32° Höchsttemperatur, ich verlasse meinen Schreibtisch und stürze mich ins kühle Nass im Schwimmbad gegenüber.
Von der Sonne aufgeheizt, in Schlappen und Shorts nehme ich auf dem Heimweg noch den Umweg über den Supermarkt.
Während mein Blick im 360 Grad Modus die Angebote scannt bemerke ich, dass hier etwas nicht stimmt. Mein Pulsschlag nimmt zu als ich auf die Ansammlung von mehreren Sonderplatzierungspaletten in mitten des großen Kassenbereichs zustürze. Es ist soweit, ich stehe in Mitten aufgetürmter Packungen Achener Printen, Dominosteinen, Spekulazius, Marzipankartoffeln und Lebkuchen.
(Lesen Sie auch: Weihnachtseinkäufe stressfrei erledigen)

Wer hat Lust auf Weihnachtssüßigkeiten im August?

Ich blicke an mir herunter, entdecke ich da bereits Gänsehaut an meinen Beinen, die unter den kurzen Short ganz nackt im Laden stehen?
32° und mein Supermarkt bietet mir ein ganzes Sortiment an Lebkuchen als Versüßung meines Abends auf der Terrasse. Darüber prangert ein Schild mit der Aufschrift „Herbstgebäck“. Na gut, dann ist es ja OK und ich kann getrost zugreifen, denkt vielleicht auch die ältere Dame, die heimlich mit einem Lächeln auf dem Gesicht zwei Packungen des leckeren Gebäcks mit dunklem Schokoladenüberzug in ihren Einkaufwagen lädt.

Ich bleibe einen Moment stehen und studiere das Treiben. Die Meisten gehen vorüber, einige kopfschüttelnd. Aus dem letzten Jahr fällt mir ein Artikel aus Österreich ein, der über eine Frau berichtete, die aus Wut einen solchen Stand in Brand gesetzt hat.
Zuhause angekommen gehe ich der Sache auf den Grund. Den Ursprung nimmt das Gewürzgebäck mit viel Honig bei den altern Ägyptern, die dieses ihren Toten in die Grabstätte legten. Von den alten Römern übernommen erhielt es im Mittelalter seine heutige Bezeichnung von den Mönchen, die während der Fastenzeit auf Grund seiner Nahrhaftigkeit Lebkuchen zum Starkbier aßen. Im 30jährigen Krieg entstand aus der Not erstmalig die Knappheit. Auf diese setzt die Industrie als erfolgreiche Marketingstrategie bis heute.
Von Weihnachtsgebäck war nie die Rede denke ich und genieße mein letztes Stückchen Achener Printe die sich mir irgendwie aufgedrängt hat.
(Text: K.B.; Foto: © Swetlana Wall)

1 Kommentar zu Dominosteinen, Spekulazius im August – Vorfreude oder Nötigung

  1. Lebkuchen, Dominosteinen und Spekulazius kann ich jetzt im Sommer noch nicht essen! Ich verstehe nicht warum die das zeug jetzt schon verkaufen!

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