Einkaufen mit Hindernissen: Shopping als behinderter Mensch

Einkaufen mit Hindernissen

Schnell mal ein paar Besorgungen machen oder einen ausgiebigen Schaufensterbummel genießen - die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von denen nicht-behinderter. Dennoch ist Einkaufen für viele, die einen Rollator nutzen, im Rollstuhl sitzen, sehbehindert oder blind sind nicht immer problemlos machbar. Viele kleine und große Barrieren stehen ihnen im Weg. Dabei lohnt es sich, den Blick darauf zu schärfen, wie Einkaufen barrierefrei gestaltet werden kann. Damit auch Menschen mit Behinderung ein offline-Einkaufserlebnis genießen können.

Was bedeutet eigentlich "barrierefrei"?

"Barrierefreiheit" ist ein großes Wort, das oft gebraucht, aber nicht immer korrekt verstanden wird. Barrierefreiheit ist nämlich mehr als nur stufenlos erreichbare Gebäude. Kurz zusammengefasst bedeutet sie, dass jeder Mensch, egal ob nicht-behindert, körper- oder geistig behindert, sich in einer Umgebung - wie zum Beispiel einem Laden oder einem Einkaufscenter - ohne fremde Hilfe zurechtfindet und sein Ziel erreichen kann.

Um die Frage nach der Barrierefreiheit zu beantworten, muss man sich beispielsweise folgende Fragen stellen:

  • Sind alle Geschäfte für Rollstuhlfahrer zu erreichen?
  • Kann auch ein behinderter Mensch an allen Aktivitäten innerhalb eines Hauses teilnehmen?
  • Sind die Preise so groß gedruckt, dass auch sehbehinderte Menschen diese mit Lesehilfe erkennen können?
  • Können alle Produkte auch von kleinen Menschen erreicht werden, oder ist immer jemand da, der für den Kunden in die oberen Regale greift?
  • Ist der Boden griffig, sodass auch gangunsichere Menschen nicht stürzen?
  • Gibt es eine Behindertentoilette und ist diese auch nutzbar?
  • Sind Fahrstühle groß genug, damit sich Rollstuhlfahrer darin drehen können? Verfügen sie über eine Sprachausgabe, sodass auch blinde Menschen immer wissen, auf welchem Stockwerk sie sich befinden?

Platz da, hier komme ich

Das Positive vorweg: Supermärkte bieten meistens genug Platz zwischen den Regalen für Rollstuhlfahrer und Rollatorennutzer. Kein Wunder, denn hier müssen schließlich auch die Einkaufswagen der anderen Kunden ihren Weg hindurch finden. In Drogerien, wo für die Einkäufe oft nur ein Korb am Eingang bereit steht, sieht die Sache schon einmal anders aus. Hier stehen Regale oft sehr eng beieinander und werden nicht selten noch zusätzlich durch Sonderposten und Pappaufsteller verengt. Für Rollstühle, Rollatoren und im Übrigen auch Kinderwagen ein Hindernis, für blinde und sehbehinderte Menschen eine gefährliche Stolperfalle. Da helfen oft nur Umwege durch das halbe Geschäft, um auf die andere Seite des Ganges zu gelangen. Abhilfe könnte hier den Shopbetreibern ein einfacher Trick schaffen: Einfach einmal überall mit einem großen, vollbepackten Rollwagen durch. Fährt man nirgendwo gegen und kommt überall vorbei, ist für die Barrierefreiheit zumindest räumlich schon einmal ein guter Schritt getan.

Hübsch, aber nicht barrierefrei

Um Waren gut zu präsentieren und einen Stand besonders hervorzuheben, greifen vor allem Elektrofachhändler gerne einmal zu erhöhten Podesten, um zum Beispiel die neuesten Apple-Produkte oder die Weihnachtsdeko zu präsentieren. Schade, denn ein Rollstuhlfahrer kann hier nun nicht mehr zugreifen. Ähnliche Bilder sind in der Gastronomie zu sehen. Barhocker und Stehtresen sind ein Eyecatcher. Rollstuhlfahrer, kleinwüchsigen Menschen und solchen mit einer körperlichen Behinderung signalisieren sie aber oft nur eines: "Wir müssen draußen bleiben." Sicher muss in puncto Barrierefreiheit also noch einiges getan werden. Über die Bedürfnisse behinderter Menschen Bescheid zu wissen, ist dabei ein guter Anfang.
Foto: © kebox, Text: L. E.

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